Aktuelle Wocheninformation

Hier finden Sie den projektbezogenen Bericht zu unserer aktuellen Arbeit.
Hinweise zu nicht erklärten Fachausdrücken finden Sie in unserem Orgelbaulexikon (pdf).


Zum letzten mal geändert am
16.03.2019


Meist am Wochenende erhalten Sie hier neueste Bilder und Informationen über unsere laufenden Projekte. Vielleicht arbeiten wir ja an einem Projekt in Ihrer Nähe, dann besuchen Sie uns doch einmal. Dieses Besuchsangebot versteht sich natürlich auch für unsere Kollegen. Wir haben keine Geheimnisse und fördern den Dialog, um als Ergebnis gute Orgeln zu erhalten. Hinweise zu nicht erklärten Fachausdrücken finden Sie in unserem Orgelbaulexikon.




Evangelische Kirche in Glatten




Orgelprospekt Schäfer-Goll-Orgel in Glatten



Restaurierung der Schäfer-Goll-Orgel (Bj. 1906)



Woche 11



Wieder in Glatten angekommen, werden alsbald alle pneumatischen Elemente, welche mit in der Werkstatt waren, in die Orgel eingebaut. Im Bild ist eine Relaisstation vom Hauptwerk zu sehen- eine pneumatische Verstärkerschaltung für das Signal vom Spieltisch.




Auch die Membranleisten sind wieder an Ort und Stelle, unter die Windladen geschraubt.




Die Tontraktur der Pedalwindlade.




Der Trakturkanal unter der Pedalklaviatur wird geöffnet. Auch hier finden die Orgelbauer immer wieder einzelne Rohre, die nicht in ihren Verbindungsbohrungen stecken. Also wird alles ...




... fein sauber gemacht und wieder ordentlich verrohrt.




Immer wieder kommt es zu Problemen im Spieltisch. Ein Weichenstock zwingt die Orgelbauer zu unkonventionellen Maßnahmen. Da hilft nur Geduld zu bewahren und auch das eine oder andere Mal wieder die Rohre herauszunehmen und Verbesserungen anzubringen. Die oftmals missliche Lage in der Orgel und am Spieltisch beschert den Orgelbauern bis zum Wochenende ordentlichen Muskelkater.





Woche 10



Diese Woche stand ganz im Zeichen der Werkstattarbeit. Bälgchen, so weit das Auge sieht. Diese hier sind von 1987 und das Leder ist noch gut. Die Form der Falten musste aber verbessert werden. Mit allerlei Tricks und Versuchen, ist es gelungen, die Falten neu einzupressen.




Andere wiederum mussten ganz neu gemacht werden.




Ein größerer Balg für die Registereinschaltung. Auf der Unterseite kam nach dem Ablösen des Papieres eine Inschrift heraus. Dies weckt bei Gilbert Scharfe den Forschergeist. "Register u. Transmissionsbalg Waiblingen": Waren die Erbauer der Glattener Orgel auch einmal in Waiblingen tätig? Wie kommt es zu dieser Inschrift?




So sieht die Innenseite einer Balgfalte eines Registerbalges vor der Verleimung aus. Die Balgspäne aus Hartpappe konnten wieder verwendet werden.




Zwei neu belederte Registerbälgchen mit klar definierten Zwickeln.
In der kommenden Woche kommt für die Orgelbauer die Stunde der Wahrheit: Werden die neu belederten Bälgchen ihre Arbeit gut machen? -Wir werden sehen!





Woche 9



Dieses Bild mit den neu lackierten Prospektpfeifen war noch nachzureichen. Doch ...




... gleich verschwinden die Orgelbauer wieder ins Orgelinnere. Dort wurden von der Windladenunterseite die Membranleisten abmontiert. Aus diesem Grunde sieht man nun von unten die Würtel der Kegelventile. Sie sind mit einem weißen Lederscheibchen garniert. Für jedes Ventil steht oben darüber eine Pfeife auf der Windlade.




Die Relais, sozusagen Verstärkerschaltungen, wurden auch ausgebaut. Hier kann man gut die vielen Schäden durch Notreparaturen erkennen. Kaum ein Bleirohr, das nicht geknickt, abgerissen oder mit Klebeband repariert wurde.




Die Membranleisten mit ihren vielen vielen Keilbälgchen wurden in die Werkstatt transportiert.




Und noch mehr Keilbälgchen befinden sich auf den Relaisstationen.




Die Untersuchung der Bälgchen ergibt drei Bauphasen. Die bauzeitliche mit weiß belederten Bälgchen, eine mit braunem Leder, welches nun aber bereits wieder zu reissen beginnt. Dann noch die jüngste Phase mit ebenfalls braunem Leder auf den Bälgchen. Da diese sich nicht richtig falten ließen, haben die Orgelbauer der letzten größeren Reparatur Bleiklötzchen angebracht. Diese machen die Bewegung der Bälgchen natürlich langsam.




In der Not wurden manchmal sogar die Bälgchen gegen Kissenmembranen getauscht. An diesen Stellen müssen die Balgplatten neu hergestellt werden.




Hier sieht man die schlecht schließenden Bälgchen mit ihren Froschbacken und den daraus resultierenden Bleiklötzen.  ...




... und hier zwei neu belederte Bälgchen.




Zwischendurch erleben die Orgelbauer noch ein Kontrastprogramm: Der Sägewerker hat sich gemeldet, das Rundholz für künftige Projekte ist fertig in Dielen gesägt. Also wird rasch der Anhänger angehängt und es geht auf den Holzplatz.




Diese Weihmouthskiefern werden für Tonventile und Klaviaturen sowie Leichtbauteile benötigt.







Woche 8



Pedalabzugswinkel vor dem Einbau. Beinahe die Hälfte der Abzugsfedern waren gebrochen und mussten neu hergestellt werden. Auf dem Bild erkennt man das heller glänzende Metall.




Stück für Stück werden die Aggregate in den Spieltisch wieder eingebaut und neu verrohrt.




Weil die Übersicht bei Reparaturen sehr schlecht ist, wurden alle Aggregate mit kleinen reversiblen Schildchen versehen. Hierauf ist deren Funktion und -bei versteckten Einbauten- auch noch gleich der Inhalt angeschrieben. Hier im Bild die automatische Pianopedal-Schaltung.




Die restaurierte Konsole gibt wieder ein hübsches Bild ab.





Woche 7



Die Klaviaturen sind wieder zusammengebaut. Der bauzeitliche Charme der Spielkonsole lässt sich mit jedem zugefügten Teil besser erahnen.




Die Tonventile eines Manualstockes mussten aufgrund kaputter Ventilbeläge ausgebaut werden.




Hier sieht man eine Reihe der Ventile. Sie sind bereits neu mit doppeltem Schafsleder belegt.




Mittels dieser Matrix hat der Erbauer der Orgel die festen Kombinationen abgespeichert. Man könnte sagen, dass es sich hierbei um eine Form der Speicherung nach dem Lochkartenprinzip handelt. -Eine Frühform der heutigen Computer. Die Löcher unten im hölzernen Teil geben alle Möglichkeiten der Registerkombinationen frei, welche dann aber über entweder geöffnete- oder geschlossene Lederbeklebung miteinander kombiniert werden konnten.




Ein komplizierter Wechselschaltungsapparat. Dieser beinhaltet eine Wechselschaltung mit pneumatischer Selbsthalteschaltung. An den Begriffen erkennt man den Vorläufer der damaligen Pneumatik, zur heutigen Elektrik. Alle Lager und alle Bälgchen dieses Apparates wurden schon restauriert.




Ein Membranstock, dessen Ledermembran mehrfach gerissen und mit Lederflecken und Papier bereits des öfteren repariert wurde. Im Bild unten liegt schon die neue Ledermembran bereit.




So sieht es unter der Membran aus.




Die Technik der Lederbeklebung wurde vor der Zerlegung exakt studiert, um sie ...




... beim Aufbringen der neuen Membran wieder genauso anzuwenden.




Die beiden Orgelbauer aus Bünzwangen sind beim Zerlegen der Koppelstöcke schockiert: Die kleinen Keilbälgchen, eigentliche Verschleißteile, wurden ohne Demontagemöglichkeit zur Bauzeit der Orgel einfach nur aufgeleimt. Beim Ablösen der Bälgchen zerbrechen daher die unteren Balgplatten.




Dies zieht sich leider quer durch alle Koppelstöcke. Doch dem Restaurator ist es arg, wenn Verluste bauzeitlichen Materials drohen. Also muss für das Problem eine Lösung gefunden werden. ...




... Mittels Dampf und einer Eselsgeduld konnten die alten Bälgchen abgelöst und damit gerettet werden.




Hunderte der porösen Balgfalten mussten mit neuem Leder bezogen werden.




Nach dem Anlegen der Balgfalten wurden die Balgplatten zusammengepresst, damit sich die Form der Falten nicht mehr verändert.




Weil die Filzgarnierungen von Motten zerfressen waren, mussten diese auch noch ausgetauscht werden. Unter den Bälgchen ist nun ein blaues Papier zu erkennen. Dieses wurde aufgebracht, um in vielen Jahren, bei der nächsten Restaurierung, späteren Orgelbauergenerationen den neuerlichen Tausch der Bälgchen zu ermöglichen. Mit einem breiten Stecheisen können die Balgplatten nun ganz einfach demontiert werden.




Ein fertig montierter Koppelstock mit der Koppelstange als Gewicht. Diese blockiert die Bälgchen bei ausgeschalteter Koppel. Über eine Mechanik wird diese Stange mit einem Arbeitsbalg verbunden, welcher beim Einschalten der Koppel die Koppelstange von den Bälgchen abhebt, damit diese arbeiten können.





Woche 6



In der heimischen Werkstatt liegen nun einige Ausbauten der Glattener Orgel. Das meiste stammt aus dem Spieltisch. So auch diese Pedalabzugswinkel hier. Bei etwa einem Drittel dieser Winkel ist deren Angriffsfeder gebrochen. Daher mussten hier die Pedaltasten beim Spielen extrem weit durchgedrückt werden, bis endlich der Ton zu hören war. Im Bild sieht man einen bauzeitlichen Winkel (oben) und einen restaurierten (unten). Dieser hat eine neue Feder erhalten und zudem neue Tuchungen in den Lagern.




Die Registerdrücker wurden gesäubert und poliert (rechts im Bild unrestauriert, links restauriert).




Die Führungen der Kombinationsdrücker sind von Motten zerfressen. Darum müssen sie neu befilzt werden.




Das Leder der Kombinationsdrücker musste aufgrund von Abnützung ebenfalls ersetzt werden. Hier schon die fertigen Drücker. Vorne am Gewinde des Drahtes kommen später wieder die hübschen weißen Knöpfe aus Celluloid hin. Sie werden gerade poliert.




Das Vorsatzbrett über den Tasten des I. Manuales ist stark abgegriffen. Die schwarze Politur fehlt an einigen Stellen. -Das ist ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass die Orgel auch häufig bespielt wurde. Nun aber werden alle polierten Teile wieder aufgefrischt und nachgeschwärzt.




Die Konsolen seitlich der Klaviaturen sind bereits fertig. Sie wurden mit Schelllack nachbehandelt. Im Hintergrund ist auch die nachgeschwärzte Vorsatzleiste zu erkennen.




Nun geht es an die Klaviaturen: An den Tastenenden befinden sich Stahlfedern, die mit Leder besetzt sind. Sie greift für die Tonauslösung in einen Kegeldraht ein. Das Leder war stark abgenützt (oben im Bild), weshalb es laute Klingelgeräusche beim Spielen gab. Mit Sämischleder wurden die Garnierungen neu gemacht (Bild unten).




Die Waagebalkenbohrungen an den Tasten (die mittlere Lagerbohrung) sind total ausgespielt und dadurch nicht mehr rund sondern oval. Das weiche Holz der Tastenkörper hat auf Dauer der Belastung mit den extrem schweren Tastengewichten nicht Stand gehalten. Nun wackeln die Tasten in alle Richtungen. Das kann so nicht bleiben, weshalb ...




... alle Tasten ein neu eingesetztes Lager aus hartem Weißbuchenholz bekommen. Dies ist insofern schwierig zu meistern, als die Bohrungen einst zusammen mit den Klaviaturrahmenbohrungen eingebracht wurden. Bei diesem Herstellungsvorgang sind die Tasten noch im Brett und nicht auseinandergeschnitten. Die Lagerbohrung im jetzigen Zustand wieder an die richtige Stelle zu bringen ist dementsprechend eine herbe Aufgabe. Sitzt sie falsch, würde das jeder Laie an den Tastenstellungen erkennen.




Durch die neue Lagerung unten und den neuen Garnierungen der oberen Bäckchen sowie der Korrektur der Vorderführungen liegen die Tasten nun endlich wieder sauber in den Klaviaturrahmen. Die seitlichen Klaviaturbacken wurden auch aufpoliert und nachgeschwärzt. So gibt das Ganze wieder ein apartes Bild ab, wodurch sich der bauzeitliche Zustand der Klaviaturen wieder recht gut erleben lässt.




Die Prospektpfeifen haben einiges durchlebt. Der Lack ist stark angegriffen. Einige Pfeifen haben tiefe Dellen. Diese müssen herausgeschoben werden. Da hierbei der Lack abplatzt, ist eine Neulackierung notwendig.




Damit sie über das Wochenende gut trocknen, wurden die Prospektpfeifen nach einem gründlichen Schliff, noch am Freitag grundiert und warten auf ihren Lacküberzug in der neuen Woche.





Woche 5



Nach einer schneereichen Anreise erreichen die Orgelbauer aus Bünzwangen ihren neuen Einsatzort, die evangelische Kirche in Glatten. Dort angekommen, wird zunächst einmal der Arbeitsplatz auf der Empore eingerichtet. Und dann geht es sofort ans Zerlegen der Orgel. Mit dem Spieltisch geht es los. Die geöffnete Rückwand zeigt das System der Orgel: Röhrenpneumatik.




Von oben her wird begonnen, den Spieltisch zu zerlegen. Hier die Registerdrücker.




An den Tasten kann man sehen, dass die Orgel wirklich dringend restauriert werden muss. Die Lagerungen der Tasten sind derart ausgeschlagen, dass eine richtige Berg- und Talbahn entstanden ist. -Ein Graus für jeden Organisten.




Unter den Tasten kommt der Staub des Jahrhunderts zum Vorschein.




Hier sieht man, wieso die Tasten so uneinheitlich waren: Die Filzlager auf dem Waagebalken sind teilweise richtiggehend durchgerieben.




So sehen die Tasten von der Seite gesehen aus.




Unter den Klaviaturen befinden sich allerhand verschiedene pneumatische Aggregate. Auch hier ein Bild der Zerstörung. Defekte Bälgchen, wo man nur hinschaut. Das Leder ist porös und löchrig, die Filzpolster wurden von Motten zerfressen.




Dieser Balg hier ist für die Kalkantenglocke da. Aufgrund eines riesigen Loches konnte die Glocke natürlich nicht mehr bimmeln, das ist klar.




Da die Pneumatik äußerst unzugänglich ist, wurde in der Vergangenheit immer nur notdürftig repariert. Hier sieht man zwei fremde Membranen anstelle der üblichen Bälgchen.




Stück für Stück wird der Spieltisch zerlegt. Hier sieht man, dass die Aggregate über Pappkondukten mit Wind versorgt werden.




Im Innern der Aggregate befinden sich Kegelventile. Erstmals seit der Erbauung dieser Orgel wurden die Kanzellen geöffnet. Etliches an Schmutz und Staub findet sich darin. Fatal, wenn der Schmutz unter die Dichtfläche gerät ... .




Fast alle Relais und Schaltungen wurden entfernt. Nur noch im Unterbau findet sich ein Pedalstock. ...




... hier ist er freigelegt und man erkennt gut die bauzeitliche Papierung, unter welcher sich die ...




... Kegelventile befinden. Auch hier besonders viel Schmutz und Abrieb von Filzen. Diese Stelle kann erst nach zwei Tagen Demontagearbeit erreicht werden. Umso penibler muss nun bei der Restaurierung vorgegangen werden.




Ein Riss zieht sich zwischen den Kegelventilen durch.




Hier wurde er bereits mit dünnem Spaltleder abgedichtet.




Das Spieltischschloss nach der Restaurierung: Der Dorn im Schlüsselloch fehlte und wurde nachgefertigt. Auf der heimischen Drehbank geht das gut. Anschließend wurde er wieder eingenietet. Der abgebrochene Schlüssel wurde in der Sakristei aufgefunden und anschließend wieder angeschweißt und nachgefeilt. Nach der Politur des Stulpes und einer behutsamen Ölung ist das Schloss wieder einsatzfähig.